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«Kein Wort zur Kultur»

Der St.Galler Stadtrat hat seine Jahresziele publiziert. Die 52 Ziele reichen vom Datenmanagement bis zur Baumkontrolle. Von Kultur ist nicht die Rede. Die IG Kultur Ost reagiert verständnislos.

Die «alte» Stadtregierung hatte im Sommer 2020 ein überhastetes Corona-Sparpaket vorgelegt – unter anderem mit empfindlichen Kürzungen im Kulturbereich. Die «neue» Stadtregierung verliert in ihrer Jahresplanung 2021 nun kein Wort zu Corona – aber auch «Kultur» scheint für sie ein Fremdwort zu sein. Beides ist für die IG Kultur Ost unverständlich.

Die Pandemiebekämpfung ist für den Stadtrat offensichtlich kein Thema. Bund, Kantone und die einzelnen Bürgerinnen und Bürger sollen es richten. Dabei könnten gerade die Städte Zeichen setzen für ein solidarisches Miteinander und für eine Abfederung der lokalen sozialen Folgen – was andere Städte auch tun. «Der St.Galler Stadtrat steckt vor Corona offenbar den Kopf in den Sand», kritisiert die IG Kultur Ost.

Vollends unverständlich ist jedoch, dass in den minutiös aufgelisteten 52 Zielen der fünf Departemente jeder Hinweis auf die Kultur ausbleibt. Digitalisierungsprojekte stehen an vorderster Stelle, aber auch Qualitätsverbesserungen in den Schulen, im Sozialwesen oder im Nahverkehr sowie diverse Bauprojekte. Vom Taxireglement bis zur Photovoltaik ist an alles gedacht. Die Kultur hingegen kommt nicht vor. Sogar im «Handlungsfeld Kultur und Sport» ist ausschliesslich von (lobenswerten) Anstrengungen zur sportlichen Nachwuchsförderung die Rede.

Die IG Kultur Ost erinnert den Stadtrat daran, dass sich St.Gallen als Kulturstadt versteht. Und dass es auch auf diesem Gebiet einige Baustellen gibt. Etwa die Pläne für ein Haus für die Freien (wie im neuen Kulturkonzept festgehalten) und für ein Literaturhaus oder die Schaffung einer Förderplattform für die Hauptstadt-Region.   

«Der St.Galler Stadtrat gibt in Sachen Digitalisierung Gas – und steht dafür bei der Kultur voll auf die Bremse», schreibt die IG Kultur Ost. Für die von der Pandemie arg gebeutelte Kulturszene und für das kulturinteressierte Publikum aus der Stadt und von weither ist das ein katastrophales Signal.