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Das Rating zur Kulturwahl 2020

Wer kulturfreundlich wählen will, wählt Grün oder SP. Das ist das Ergebnis eines Ratings der IG Kultur Ost für die Kantonsratswahlen in St.Gallen und Thurgau. Am schlechtesten bestehen die SVP und die BDP/EVP die Kulturverträglichkeitsprüfung.

Zehn Fragen zu Grundsätzen und Einzelaspekten der Kulturpolitik waren zu beantworten – von der Frage, ob Kultur überhaupt eine Staatsaufgabe sei, bis zu Sozialfragen, Museums- und Bibliotheksthemen. Ein Viertel der Kandidierenden im Kanton St.Gallen und ein Sechstel im Thurgau haben bei der Online-Befragung mitgewirkt – ein auch im Vergleich mit anderen Ratings zufriedenstellender Rücklauf, stellt die IG Kultur Ost fest.

Grün und SP Kopf an Kopf

Allerdings schwankt die Beteiligungsquote je nach Partei massiv. Die Splitterparteien am rechten Rand, SD und EDU, haben sich im Kanton St.Gallen gar nicht beteiligt, im Thurgau glänzen gleich vier Parteien (BDP, EDU, EVP und GLP) durch Desinteresse. Bei der SVP beträgt die Teilnahme-Quote 1 : 20 in St.Gallen und 1 : 25 im Thurgau. Nur 7 Prozent sind es bei der FDP im Thurgau, nur 12 Prozent bei den St.Galler Grünliberalen. Mitte-links steigt das Interesse dann mehrheitlich sprunghaft: CVP 23 Prozent (SG) bzw 35 Prozent (TG), FDP SG 31 Prozent, Grüne 26 Prozent (SG) bzw. 41 Prozent (TG), Parteifrei SG 43 Prozent. An der Spitze, was die Beteiligung betrifft, ist in beiden Kantonen die SP: in St.Gallen mit 58 Prozent, im Thurgau mit 53 Prozent.

Deutlich sind die Unterschiede auch in Sachen Kulturfreundlichkeit. Gewertet wurden die zehn Antworten auf einer fünfteilig gestuften Skala von «Ja» bis «Nein». Im Thurgau schwingen die Grünen mit 87 Prozent obenauf, gefolgt von der SP mit 86 Prozent, der CVP mit 67, der FDP mit 63 und der SVP mit 60 Prozent. Im Kanton St.Gallen liegt die SP mit 92 Prozent vor den Grünen mit 90 Prozent. Es folgen die GLP (84 Prozent), die BDP/EVP (73 Prozent), CVP und Parteifrei mit je 67 Prozent, die FDP mit 59 Prozent und die SVP mit 48 Prozent.

Mehrheit für ein Kulturprozent

Unter anderem steht eine breite Mehrheit (drei Viertel der Stimmenden) dafür ein, die Plafonierung der Kulturausgaben im Kanton St.Gallen definitiv aufzuheben. Fast 80 Prozent sprechen sich in beiden Kantonen für die Einführung eines kantonalen Kulturprozents aus. Dass die soziale und finanzielle Situation vieler Kulturschaffender prekär ist und verbessert werden sollte, unterschreibt ebenfalls eine Mehrheit. Skeptisch oder ablehnend fällt hingegen die Mehrzahl der Antworten auf die Frage aus, ob die Ostschweizer Kantone eigene Ausbildungsstätten schaffen sollten, um der Abwanderung kreativer Köpfe zu begegnen.

Dass die Antworten ein insgesamt eher kulturfreundliches Bild ergeben, sei erfreulich, bilanziert die IG Kultur Ost. Allerdings relativiert sie: Wer an der Umfrage teilnahm, brachte mutmasslich ein Grundinteresse an Kultur mit. «Der schweigenden Mehrheit der Kandidierenden scheint es an diesem Interesse zu fehlen – was auch ein Statement ist.»

Die Wahlempfehlung gibts online

Im Kanton St.Gallen haben 59 Kandidierende die Maximalpunktzahl vollständig oder knapp erreicht und damit die Kulturverträglichkeitsprüfung mit Bravour bestanden. Im Thurgau sind es 13 Personen. «Das sind die Köpfe, die sich in den Parlamenten hundertprozentig für kulturelle Anliegen einsetzen werden», sagt die IG Kultur Ost in ihrer Wahlempfehlung. In den kommenden Tagen wird sie die Ergebnisse im Einzelnen analysieren.

Gefragt (ohne Wertung) wurden die Kandidierenden schliesslich auch zu ihrem persönlichen Kulturverhalten. Als beliebtester Kulturort im Thurgau schwang die Kartause Ittingen obenauf vor dem Eisenwerk Frauenfeld und dem Horst-Klub Kreuzlingen. Im Kanton
St.Gallen führt das Theater die Bestenliste an vor Palace und Kinok. Die kulturelle Aktivität der Kandidierenden schwankt von «Mehrmals die Woche» bis «Nie».