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nachgefragt.

Kandidierende für den Wiler Stadtrat äussern sich zur Kultur

11./13. September 2020

Die IG Kultur Ost und die IG Kultur Wil haben gemeinsam eine Umfrage bei den Kandidierenden für den Wiler Stadtrat durchgeführt. Die neun Kandidatinnen und Kandidaten wurden geben, sich zu aktuellen Fragen der lokalen und kantonalen Kulturpolitik zu äussern.

Andreas Breitenmoser, Beat Gisler, Daniel Meili (bisher), Jutta Röösli (bisher), Dario Sulzer (bisher) und Daniel Stutz (bisher) haben die Fragen umgehend beantwortet. Mit einiger Verzögerung sind auch die Stellnungnahmen von Ursula Egli, Hans Mäder und Jigme Shitsetsang eingetroffen. Erfreulich: Alle Kandidierenden attestieren der Kultur eine wichtige Bedeutung, alle unterstützen aktuelle kulturpolitische Anliegen. So wird die dritte Bauetappe im Hof zu Wil einhellig begrüsst. Alle Kandidierenden unterstützen auch eine kulturelle Nutzung der Liegenschaft «Turm», ebenso wie die geplante bauliche und betriebliche Ertüchtigung des Gare de Lion. Der Erhöhung des Mitgliederbeitrages an ThurKultur von einem auf zwei Franken pro Einwohner*in stimmen ausser Ursula Egli alle zu.

Die Antworten der acht Kandidierenden sind unter folgenden Links zu finden:

Andreas Breitenmoser

Ursula Egli

Beat Gisler

Hans Mäder

Daniel Meili

Jutta Röösli

Jigme Shitsetsang

Daniel Stutz

Dario-Sulzer

Die IG Kultur Ost und die IG Kultur Wil empfehlen den Wahlberechtigten, die Kultur in die Überlegungen einzubeziehen und bieten mit dem Fragebogen ein Hilfsmittel dafür. Auf explizite Wahlempfehlungen wird bewusst verzichtet.

gewünscht

Die kantonale Kulturpolitik ist grundsätzlich gut im Schuss. Kultur ist als Staatsaufgabe verfassungsmässig verankert, der Kanton hat ein zeitgemässes, wenn auch defensives Kulturfördergesetz, in den meisten Regionen gibt es Kultur-Förderplattformen, die drängendsten Bau-Projekte sind gesichert – der Theaterumbau, das Klanghaus. Und das Amt für Kultur praktiziert eine kontinuierliche und transparente Förderpolitik. Deren Grundhaltung ist: Respekt und Wertschätzung für die Kulturschaffenden. Das ist nicht selbstverständlich.

Der neuen Kulturdirektorin bleibt erstens die Aufgabe, die sich im Ringkanton St.Gallen nicht nur in der Kultur stellt: die auseinander klaffenden Interessen zwischen dem «Süden» und dem «Norden», den Städten und dem «Land» auszuhalten und auszugleichen. Die Gegensätze sind zum Teil real, zum Teil parteipolitisch instrumentalisiert und herbeigeredet: Da braucht es eine Kulturministerin, die vermittelt und nicht polarisiert, wie dies ihr Vorgänger etwa beim Streit um das Klanghaus getan hat.

Eine zweite Baustelle für Laura Bucher wird sein, dass die Region St.Gallen-Rorschach-Gossau keine Kulturförder-Organisation hat wie alle anderen Kantonsteile. Und damit in Sachen kantonale Förderung chronisch zu kurz kommt. Das muss anders werden.

Eine dritte Baustelle ist die Teilhabe für alle. Die staatlich geförderte Kultur kommt bloss einer (wenn auch vielfältigen) Minderheit der Menschen im Kanton zugute. Hier braucht es eine Kulturministerin mit einem offenen Ohr für alle Bevölkerungsschichten.

Das wären noch vor zwei Monaten die drei Wünsche an Laura Bucher gewesen. Mit und nach Corona ist nicht alles, aber vieles dramatisch anders. Die Krise zeigt, was man schon vorher wusste, aber nicht wahrhaben wollte: Unzählige Kulturschaffende arbeiten unter prekären Bedingungen und ohne soziale Absicherung. Die Krise zeigt aber auch: Nicht nur Gesundheit, Bildung oder Bau, sondern auch Kultur ist systemrelevant.

Da wird Laura Bucher als Kultur- wie als Sozialdirektorin gefordert sein – und mit ihr Regierung und Parlament: Es braucht zum einen die bereits beschlossenen Soforthilfen und Ausfallentschädigungen für den stillstehenden Kulturbetrieb. Es braucht zum zweiten mittelfristig weitere Mittel, bis wieder einigermassen «Normalbetrieb» herrscht. Und es braucht drittens Lösungen für eine dauerhafte soziale Besserstellung der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler aller Sparten.

Was die Kultur nachhaltig und nach Corona erst recht schädigen würde, wären Sparbefehle. Die IG Kultur Ost freut sich auf eine standfeste, solidarische und soziale Kulturpolitik unter Laura Bucher.